Willkommen in den 90ern!

Wie nach jedem Termin vereinbaren meine Diabetes-Beraterin und ich, wann wir das nächste Mal miteinander sprechen. Vor zwei Wochen versuchte ich mal etwas Neues, genauer: dieses #Neuland von dem alle sprechen.

„Ich kann Ihnen die Werte auch per Mail zuschicken.“

„Oh, tut mir leid, eine E-Mail-Adresse haben wir nicht.“

Ähm. Wie bitte!? Ich blickte auf meine Uhr, dann wieder auf sie und fragte langsam und vorsichtig:

„Wir schreiben das Jahr 2017 und Sie haben keine E-Mail-Adresse?“

Ich erntete einen schuldbewussten Blick. Ein Fax könne ich schicken. Na toll, dachte ich mir, der Besuch meiner Diabetologische Schwerpunktpraxis hat mich mitten in die 90er katapultiert. Fax? Das Wort muss ich fast schon nachschlagen.

Es ist ja nicht so, dass ich in der Praxis besondere Innovationen auf dem Gebiet der Kommunikation erwarte. Wobei… wieso eigentlich nicht?! Schließlich erwarte ich bei Behandlungsmethoden und Medikamenten auch, dass sie möglichst aktuell sind.

„Oh, die Zuckerkrankheit. Gut, dann machen wir einen Aderlass und ich gebe ihnen noch ein Huhn mit. Das schlachten Sie bitte bei Vollmond, essen die Bauchspeicheldrüse und dann sehen wir uns in vier Wochen wieder.“

Angenommen die Behandlung ist am Puls der Zeit, warum dann nicht auch die Organisation der Patienten? Warum muss ich meine Werte telefonisch durchgeben (oder schlimmer: per Fax) anstatt meiner Praxis einfach den Zugriff auf mein Diabetes-Tagebuch zu erlauben. Dann könnten Arzt und Beraterin genau dann einen Blick darauf werfen, wenn es ihnen zeitlich passt, ohne dass ich dazu Stunden im Wartezimmer verbringen müsste. Oder am Telefon. Sie könnten einzelne Werte kommentieren, Empfehlungen aussprechend und die Dosierung anpassen. Aber das ist wohl Neuland…

Stattdessen sitze ich wieder vor dem Telefon. Wie es mir verrät, habe ich bereits 13 14 15 erfolglose Versuche hinter mir. Das Muster ist immer dasselbe: Besetzt. Besetzt. Besetzt. Oh, frei… *klick* Ansage… blabla… freier Mitarbeiter… *Fahrstuhlmusik**klick* aufgelegt. Nächster Versuch: besetzt. #%$!&%$!!

Dann versuche ich wohl jetzt mal diese Retro-Vintage-Ding… dieses… Fax.

 

[Nachtrag: das Faxgerät hat nach 5 Versuchen aufgegeben. Besetzt!]

6 Gedanken zu “Willkommen in den 90ern!

  1. Angela schreibt:

    Ich weiss beim besten Willen nicht, ob ich lachen oder weinen soll bei diesen Zuständen…
    Und die sind nicht im Stande, eine E-Mail Adresse für wenigstens solche Dinge aufzuschalten? Das ist ja heute eine Sache von fünf Minuten.

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