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Bratwurst mit …

Stadtfest

Ich sitze mit meinem Jüngsten bei einer Imbissbude auf der Bank, genieße völlig Dia-tiefenentspannt eine leckere Bratwurst ohne Brötchen, ein paar letzte Sonnenstrahlen und das Leben im Allgemeinen. Da nimmt mir gegenüber eine Dame gehobenen Alters Platz. Bevor sie mit dem Essen beginnt, zeigt sie auf meinen FreeStyle Sensor und sagt ganz nett: „Sie haben da was am Arm.“

„Ich weiß“, entgegne ich ebenso freundlich. Ich gehe kurz in mich, entscheide mich aber gegen einen Spontanvortrag zum Thema Aktuelle Technik im Diabetes-Selbst-Management und widme mich stattdessen wieder meiner Bratwurst.

„Nein, nein.“ Die Dame lässt nicht locker, zeigt erneut auf meinen Sensor, „Sie haben da was. Am Arm!

Die Hartnäckigkeit beeindruckt mich und normalerweise begrüße ich diese Neugier, gibt sie mir doch die Gelegenheit zur Aufklärung. Bloß gerade jetzt, in diesem Moment, nicht. „Ich weiß!“ Zugegebenermaßen etwas egoistisch stelle ich meinen persönlichen Genuss über meine Rolle als Dia-Botschafter und entscheide mich für die nahrungsaufnahme-optimierte Kurzfassung: „Das ist ein Blutzucker-Sensor.“ Ich hoffe mein Ton hat genügend Nachdruck, ohne dabei an Höflichkeit einzubüßen. Bei letzterem bin ich mir nicht so sicher.

Jedoch… meine Worte scheinen die gewünschte Wirkung zu verfehlen.

„Nein.“, schüttelt sie mit dem Kopf und noch bevor ich der verbalen Ungeduld verfallen kann fügt sie schnell hinzu: „Ich glaube, das ist Senf.“

*ein-augenblick-der-stille*
*mein-blick-wandert-nach-links*
*senf*
*mein-blick-wandert-zu-ihr*
*sie-nickt*

Während ich etwas unbeholfen mit meinen Fingern einen großen Klecks Senf von meinem Arm entferne, murmel ich ein leises „Danke schön. Das war sehr nett von Ihnen.“

Und die Moral…

Manchmal ist es kein Diabetes.
Manchmal ist es nur Senf.   ッ

 

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Zerro. ZERRRO! Ja leck mich doch am Zückerli!

Neulich Samstagabend…

Ihr sitzt gemütlich im Restaurant, lümmelt euch lässig auf einem Barhocker oder steht im Gedränge einer Fast-Food-Fließbandtheke. Mit staubtrockenem Mund wartet ihr auf eure köstliche, eiskalte Coke Light. Oder „Zerrrooo!“ Egal! Hauptsache ohne Zucker.

Nach einer Weile nähert sich die Bedienung und stellt das sehnsuchtsvoll erwartete Getränk vor euch ab. Die Realität schaltet kurz auf Super-HD-Großaufnahme. Ihr schaut auf das beschlagene Glas, seht wie sich die ersten Tropfen an der Außenseite bilden, wie sie in Zeitlupe hinabperlen.
Sie sind die stummen Vorboten der Erfrischung.
Die Lusttropfen des Kaltgetränks.

Und dann… dann nehmt ihr einen ersten Schluck. Die Coke zieht eine frostige Spur, rinnt über eure Zunge, den Hals hinunter (Dörte schmettert energisch ein „Let it goo, let it goooo“ dazu) und als sie unten ankommt, scheint ihr ein leises Zischen zu hören. Dieses Gefühl lässt nicht nur eure Geschmacksknospen aufrichten — fast als wärt ihr Teilnehmer des Wet-T-Shirt-Wettbewerbs am Timmendorfer Strand, wo eine kühle Brise gerade das Publikum verzückt.

Es tut sooo gut… doch dann… stutzt ihr… der Light-Getränke-Sommelier in euch runzelt die Stirn. Habt ihr euch nur schon zu sehr an den Süßstoffgeschmack gewöhnt oder ist das womöglich gar keine Light? Haben sich da etwa ungeplante Kohlenhydrate Zugang verschafft, um euch die mühsam austarierten, errechneten Werte zu versauen?

Öhhh… und jetzt?

Ihr könntet den Verdacht einfach ignorieren und ein bisschen russisches Blutzucker-Roulette spielen. Mit etwas Glück rollen gleich 50g Kohlenhydrate durch eure Blutbahn und wem seine Werte nicht total am Arsch vorbeigehen, für den ist der Abend dann auch erstmal gelaufen.

Ihr könntet natürlich auch die Bedienung nochmal nach der Sorte eurer Aspertamschorle fragen. Hab ich schon probiert. Klappt prima.

„Ja, öhhh… ist bestimmt Light.“ — Ja. Jetzt glaub ich es auch.
Oder „Von einer geht die Welt jetzt auch nicht unter.“ — Und das entscheidet… wer?

Am Ende hilft euch das alles also genau „Zerrrooo!“ weiter. Aber mal ehrlich, was soll sie auch sonst antworten?

„Schön, dass Sie fragen. Mir ist ihr Libre-Sensor schon zu Beginn aufgefallen und da habe ich natürlich mit besonders viel Sorgfalt dafür gesorgt, dass dieses Getränk zuckerfrei ist. Danach hab ich noch spontan die enthaltenen Kohlenhydrate aller Gerichte ausgerechnet und wenn sie möchten, gehen wir gleich gemeinsam die FPE-Faktoren durch.“

Ha. Ha.
Nein, da muss es doch was besseres geben…

Neu aus dem Labor

…tadaaaa! Brandneu und siedend heiß bei eurem Versender des Vertrauens: ZER’O’NOTZERONOT_Einzeln-RW

ZER’O’NOT Sticks sehen aus wie weiße Zahnstocher und sind einfacher zu bedienen als ein Schwangerschafttest:

Reinhalten, ablesen, sicher sein.
(ins Getränk natürlich)

Die kleinen Sticks verfärben sich bei Kontakt mit zuckerhaltigen Getränken dunkelrot. Falls in der Flüssigkeit kein Zucker enthalten ist, werden sie leicht durchsichtig. Einzeln verpackt passen sie bequem in die Hosentasche und sind so die idealen Begleiter für den Abend. Natürlich sind sie lebensmittelecht und lassen sich anschließend direkt zur Zahnpflege weiterverwenden.

ZER’O’NOT (BigBox)

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Sie sind Besitzer eines Restaurants oder einer Kneipe? Das einzig Helle hinter Ihrer Theke ist das Bier und weniger die Person am Zapfhahn? Dann heißen Sie uns Insulinabstinenten doch mit der BigBox der ZER’O’NOT Sticks willkommen und geben uns die Sicherheit, die wir verdienen. Die BigBox enthält 250 Sticks und lässt sich zudem auch mit dem Logo oder Schriftzug Ihrer Schänke bedrucken.

Bestellungen gehen wie schon beim Erfolgsprodukt Diabetes zum Ausprobieren an die Mail-Adresse

diadoerte [at] renevoss [punkt] de

Disclaimer und andere Life-Hacks

Sorry, leider ist das doch wieder nur eine Produktidee und nicht wirklich zu kaufen. Verklagt mich also bitte nicht, weil ihr einen 50,- € Schein in die Mail gepackt habt und nun auf die Ankunft des Pakets wartet.

Was gäbe es für echte Alternativen? Ich weiß, dass manche ihr Blutzucker-Messgerät für genau den Zweck nutzen. Ansich ’ne coole Idee, wenn es denn immer funktionieren würde. Manche verwenden auch Keton-Messstreifen, da die in den meisten Fällen auch den Zucker anzeigen. Wirklich zuverlässig ist beides nicht, aber vielleicht habt ihr ja noch andere Ideen für passende Life-Hacks…

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Happy Diaversary, blöde Dörte!

Ein Jahr Dia-Dörte… unfassbar, wie schnell die Zeit vergangen ist. Wie sehr dieses Dia-Ding sich ins Leben gedrängt und dort irgendwie seinen Platz gefunden hat.
Dia-Dörte, ungebetene Begleiterin, ständige Nervensäge.
Nein, nicht lieb gewonnen, aber akzeptiert.

Jahr 1: Vom absoluten Dia-Neuling zu heute.

Vor genau einem Jahr bekam ich meinen ersten Blutzuckerwert mitgeteilt und ich wurde, von einem Moment auf den anderen, zum Dia-Dötzchen. Mit einer Schultüte, voll bepackt mit Spritzen, Nadeln und Messstreifen, Büchern über Diabetes, Heftchen mit BE-Tabellen, Apps, zuckerfreien (haha!) Gummibärchen und einer Unmenge an Fragen spazierte ich wenige Stunden später aus der Dia-Praxis. Auf einmal schien alles, selbst die einfachsten Dinge furchtbar kompliziert. Diese Unsicherheit hat mich in vielen Bereichen regelrecht gelähmt.

Sport? Bitte nicht ohne Personal Trainer mit Doktor in Diabetologie.
Essen? Essen? War das überhaupt noch möglich?

Bislang war ich beim Thema Essen so unbekümmert gewesen. Essen… da war ich doch ein alter Hase. Ok, vielleicht weniger in Sachen Zubereitung. Meine Stärken sah ich mehr im Verzehr. Vier Jahrzehnte Erfahrung konnte ich vorweisen. Mit täglichem Training. Essen, ja, essen beherrschte ich mit links. Und rechts. Und wenn ich in Höchstform war, sogar mit Besteck! Gerade bei Schoki, Kuchen, Keksen …hach… wenn ich nicht aufpasste, atmete ich im Vorbeigehen auch schon mal komplette Packungen ein.
Superheldenname: „Staubsauger“.

Mit der Diagnose änderte sich das schlagartig. Auf einmal schwebte der Begriff Kohlenhydrate wie ein Damoklesschwert über jeder Mahlzeit. Anfangs überkam mich mit jedem Essen ein beklemmendes Gefühl. War ich doch gerade dabei, meinem Körper etwas zuzumuten, womit er nicht mehr umgehen konnte. Etwas, das in den letzten Monaten regelrechtes Gift für ihn geworden war. Berichte von Folgeschäden gepaart mit einer ausgeprägten Phantasie machten es nicht gerade leichter. Bilder spukten mir im Kopf herum und verdarben mir jeglichen Genuss am Essen.

Es dauerte einige Zeit, bis sich diese Mischung aus Angst und Unsicherheit anfing zu legen. Auch wenn ich wirklich versuchte mich in Gelassenheit zu üben, sorgten manchmal schon Kleinigkeiten wie ein üppig geratenes Twix für ungeheuren Frust. Rückblickend betrachtet war dieser Prozess ein bisschen wie Laufen lernen. Gleichgewicht muss man erfahren und erfühlen; das lässt sich schlecht erklären. Ähnlich war es beim Körpergefühl, beim Umgang mit Essen, mit Insulin, mit allem. Antworten auf meine vielen Fragen gab’s und doch halfen sie nicht wirklich. Die Theorie war klar, aber ich musste es selbst erleben, mich rantasten. Schritt für Schritt. Mehr als 5 Einheiten Insulin? Auf einmal?! Anfangs für mich eine echte Überwindung. Eine Pizza im Restaurant? Ohne Waage? Nie. Im. Leben. Wie sollte das funktionieren? Waren es eher 8 oder eher 15 Einheiten? Alles war so unfassbar ungenau. Dabei reichten doch zwei Einheiten zuviel aus und *zack* würde ich bewusstlos werden. Ganz bestimmt. Oder schlimmer!

Jetzt, nach einem Jahr, ist diese Unsicherheit zum Glück in weite Ferne gerückt. Einen großen Anteil daran hat der FreeStyle Libre. Je ungewisser die Menge der Kohlenhydraten ist, desto nützlicher sind die zeitnahen und bequemen Analysen, desto wichtiger ist es, auf ungewollte Abweichungen zu reagieren, zu hohen oder zu niedrigen Blutzucker zu korrigieren, bevor es kritisch wird. Kompliziertere Themen, etwa das Ermitteln eines Spritz-Ess-Abstandes, wären für mich ohne den Libre völlig undenkbar. Und so gab es inzwischen Riesenpizzen genauso wie Tortenschlachten oder All-you-can-eat-Buffets beim Asiaten. Völlig unberechenbar, aber eben „nur“ noch eine Herausforderung und nicht mehr unmöglich. Was fürs Essen gilt, gilt ebenso für alle anderen Lebensbereiche. (Fast) alles ist möglich, auch wenn die Vorbereitungen meist aufwendiger sind (wie zum Beispiel beim Schlamm-Lauf letzten Herbst).

Ja, natürlich gibt es immer noch Frust, immer mal wieder.
Weil Dinge nicht so funktionieren wie sie sollen.
Weil Spontanität und Unbekümmertheit auf der Strecke bleiben.
Weil man sich immer und ständig und dauernd um Dia-Dörte kümmern muss… die olle Kackbratze.

Dennoch das ist das Fazit meines ersten Jahres mit Typ 1 Diabetes: (Fast) alles ist möglich. Immer noch.

#Diaversary: Feiern oder nicht?

Ab und an taucht die Frage auf, ob man denn seinen Diagnose Tag, seinen Diaversary feiern sollte oder nicht. Es gibt sogar ein tolles Projekt dazu: diaversary.org. Für mich ist die Antwort ein klares Ja! Natürlich feiere ich nicht die Diagnose selbst oder meinen neuen Nebenjob als Hilfs-Pancreas dritter Klasse. Sooo knorke finde ich das dann doch nicht. Aber es ist ein weiteres Jahr — mein erstes — in dem man sich von dem Scheiß nicht hat unterkriegen lassen. Überstanden, überlebt, gemeistert.

I > ⋀ ⋁

Wir sind stärker als unsere Hochs und Tiefs und um mir das, in aller Ruhe, auch selbst nochmal klar zu machen, lasse ich es mir heute ganz besonders gut gehen. In diesem Sinne: Ein Toast auf alle Dia-Bezwinger, von Typ 1 bis Typ F, und dazu einen riesigen Dank an alle, die uns dabei unterstützen!

Auf uns!
Prost und guten Appetit! ッ

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4 BE! #mimimi

Das Twix

Vier BE.
Genau 4 BE hat dieses verlockende, große, weiße, leckere Twix, das mir mein Bürokollege mitgebracht hat.

4 BE.
4 Broteinheiten.
Was bedeutet das eigentlich?

Mein altes Ich

Für mein altes Ich, den Nicht-Diabetiker bedeutete es: Nichts. Nur lecker. 75g süßes, leckeres Twix. Genuss pur. Ein Nachmittagssnack. Ein Survival-Twix für Meetings. Ein Biorhythmus-Optimierungs-Twix, kurz bevor der Kopf auf die Tischplatte fällt. Ich twixte zwischendurch. Auch mal vormittags. Oder abends. Ohne nachzudenken. Kein Problem. Nur lecker.

Und jetzt?

Mein neues Ich

Mein neues Ich dreht als erstes die Packung um auf der Suche nach den Nährwertangaben: Koh | len | hy | dra | te. Dieses Twix hat 48g davon, geteilt durch 12 = 4 BE. Und dann auch noch weiße Schokolade. So lecker sie ist, so hoch ist der Zuckeranteil und so gnadenlos schnellt dadurch mein Blutzucker nach oben. Weiße Schokolade scheint der Treibstoff für meinen persönlichen Blutzucker-Raketenrucksack zu sein. „Yeehaaaa!“, jubelt Dia-Dörte vergnügt.

4 BE

4 BE. Das entspricht etwa zwei normalen Brötchen.
4 BE. Das hat auch ungefähr mein tägliches Frühstück: 1/4 Apfel, gemopst aus der Schulbrotdose meines Großen, plus Müsli, plus Milch.
4 BE. Das sind um die 150 bis 200 mg/dl, die mein Blutzucker ohne Insulin nach oben gehen würde. Auf mehr als das Doppelte eines guten Wertes. Von einer grünen Anzeige *zack* durch den gelben, direkt in den roten Bereich, schlechtes Gewissen und manchmal Unwohlsein inklusive.
4 BE. Das heißt also: Pen auspacken, Nadel drauf, Bürotür zu, pieksen (und ja: autsch!), Nadel entsorgen, Kleidung richten.
4 BE. Ganz sicher Nichts für Meetings. („Entschuldigung, ich spritze mir mal eben Insulin. Ignoriert bitte den medizinischen Geruch; nehmt doch einfach meinen Bauchnabelflusen und spielt derweil etwas Tipp-Kick damit.“ )

Ninja-Kohlenhydrate

Immerhin verrät mir das Twix die BE. Oft genug ist das nicht so. Bei meinem ersten Post-Diagnose-Döner zum Beispiel (Dia-Dörte und ich unternahmen einen Türkei-Kurzurlaub in den Süden… Dortmunds) hab ich mich grandios verschätzt und landete — trotz Insulin — bei 360 mg/dl (3-fach so hoch wie gewünscht). Wo sich die KH versteckt hatten? Vielleicht war es der Krautsalat. Keine Ahnung. Ich nenne sie Ninja-Kohlenhydrate, unsichtbar und gnadenlos.

Bei dem All-you-can-eat-Buffet vor ein paar Tagen war es anders herum. Ich achtete schön darauf, die Kohlenhydrate wegzulassen, aß nur Gemüse, Fisch und Fleisch und stieg damit trotzdem von 105 auf 160. Ich sag ja: Ninja-KH. Für den Nachtisch (Mousse au Chocolate im Glas) spritzte ich 2 Einheiten + 1 Korrektur = … öhh… 3 Einheiten. Es war bereits 10 Uhr abends, aber darauf hatte ich nicht geachtet. Eine Stunde später waren wir zu Hause und ich bei 90 mg/dl. Etwas niedrig, gerade weil das Insulin noch mindestens 1 bis 1½ Stunden wirkte. Ich brauchte also noch ein paar KH. Genau das, was man sich nach einem All-you-can-eat-Buffet so wünscht. Außerdem konnte ich noch nicht ins Bett, weil ich nicht wusste, in welchen Blutzucker-Keller mich das Insulin noch bringen wollte.

Entspannt und unbeschwert geht irgendwie anders…

24/7

Und so geht’s jeden Tag. Was hat so eine Portion Nudeln beim Italiener? Oder die Pizza? Die Reste auf den Tellern der Kinder? Das kann man doch nicht wegwerfen! Das Stück Kuchen, die Torte oder die Rosinenschnecke beim Bäcker. Mmmmhh… sieht die saftig aus. Die paar Gummibärchen. Och komm, die paaaaar. Abends Chips oder Nüsse? Oder eben so ein leckeres Twix. Mjam!

Ja, es gibt sicher Schlimmeres als Diabetes. Und ja, im Grunde sind die Mechanismen klar, das Insulin verfügbar und es ist „nur“ Diabetes.
Nur.
Aber nur jeden Tag.
Nur jede Mahlzeit.
Nur jede Bewegung.
Nur jede Stunde.
Nur ständig.
Nur immer.
Nur im meinem Kopf, die ganze ver… Zeit. Selbst nachts. 24/7.

Und manchmal erzeugt das nur Frust.
Und manchmal reichen dafür nur 4 blöde BE aus.

Dia-Dörte lächelt auf mich herab, zieht ihr Ninja-Kostüm an und murmelt leise „Mimimi!“.

P.S.

PS: Broteinheit. Bei diesem Begriff muss ich immer an meine Besuche als Kind im Wuppertaler Zoo denken. Früher, als es das Nilpferd noch gab. Das bekam bei seiner Fütterung ein Brot. Einen ganzen Laib. Am Stück. Direkt ins Maul. In den Händen des Wärters erschien dieses Brot noch riesig, im Maul des Nilpferdes wirkte es mehr wie ein Pizzabrötchen. Das fand ich ziemlich beeindruckend. Das ist für mich eine Broteinheit. Das würde diesem Begriff gerecht werden. Nicht diese lächerlichen 12g Kohlenhydrate.

PPS: Stephan, ich habe mich trotz allem sehr über das Twix gefreut und habe es in allen Zügen genossen!

 

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Die neue Gelassenheit

„Meine Hobbys waren schon immer Essen und Schlafen und ich habe nicht vor,
irgendwas daran zu ändern oder auf irgendwas zu verzichten!“

(Jenny, seit zwei Monaten Typ 1 und offenbar gefräßige Schlafhobbyistin wie ich)

Ich schwanke noch zwischen Skepsis und Bewunderung, während der Dia-Doc bereits zustimmend nickt.

„Das ist die neue Gelassenheit.“, 

meint er und erklärt uns Dia-Fortbildungsteilnehmern, dass man heutzutage entspannter mit dem Thema umgehe und höhere Zuckerwerte zulasse. So seien Werte über 200 nach dem Essen völlig in Ordnung, solange der Langzeitwert niedrig genug bleibt. Und selbst der dürfe in diesen Tagen höher sein.

So verlockend das auch klingt, ich empfinde es im Moment noch als eine echte Herausforderung, nicht der Selbstoptimierung zu verfallen. Und ja, die geliebte Technik ist daran nicht ganz unschuldig. Die mySugr App erkennt schließlich nicht, ob der Wert nur kurz über 200 ist, er wird gnadenlos gelb oder rot gefärbt und löst damit unweigerlich ein schlechtes Gewissen in mir aus. Hyper: 1, steht dann dort und es fühlt sich so an, als hätte ich was falsch gemacht.

Wenn meine App schon nicht gelassen reagiert, wie soll ich es dann?!

Wie gelassen reagiert ihr eigentlich? Bei welchen Werten steuert ihr gegen? Was löst bei euch ein schlechtes Gewissen aus?

An App for that

„Gibt es eigentlich eine App für…“„Ja!“

Denn es gibt für alles eine App. Für alles! Und ist das nicht großartig? Ich liebe die Technik und hab mich natürlich auf die Suche nach sinnvollen Diabetes-Begleitern gemacht.

Diabetes-Monster zähmen

Mein Diabetes-Starter-Kit enthielt neben Spritzen und Messstreifen und Fingerkuppenfolterwerkzeugen auch ein kleines Büchlein, in das ich meine Blutzuckerwerte eintragen sollte. Analog. Offline. Haha!

Aktuell verwende ich mySugr, einer App aus Wien. Die App ist zugegebenermaßen etwas bunt und verspielt, aber hey!, passt doch prima zu meinem späten Jugendlichen Diabetes.

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Das Eintragen von Blutzuckerwerten, Insulineinheiten, verzehrten BEs, Medikamenten, Notizen und vielen Informationen mehr klappt einfach und schnell.

Es lassen sich sogar Fotos einzelnen Einträge hinzufügen, was helfen kann, die Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel besser zu erklären. Ob im Restaurant, wenn man die BEs nicht so gut vorhersagen kann oder beim Sport, etwa um eine Beziehung zu den gelaufenen Kilometern herzustellen. Fotos vom Essen, der Speisekarte oder Screenshots einer Sport-App können bei einer späteren Analyse helfen.

Die Reports der App sind schick und fassen die wichtigsten Informationen verschiedener, auswählbarer Zeiträume zusammen. Mir machen die „grünen Tage“ Spaß und die App schafft es tatsächlich, mich zu motivieren.

BEs zählen

Wieviele BEs hat eigentlich eine Tafel weiße Schokolade? Oh! Und eine halbe? Oder wenigstens ein Riegel?

fddb.info beantwortet diese Frage für Dröfzig Tausend Milliarden Lebensmittel, egal ob aus dem Supermarkt, vom Bäcker, Restaurants oder für Selbstgekochtes.

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Eine passende App, die den Zugang zur FDDB erleichtert, ist Kalorienzähler Foodscanner. Man kann die gewünschten Köstlichkeiten suchen (z.B. über den Barcode auf der Verpackung) und bekommt neben den Nährwerten auch oft die übliche Portionsgröße angezeigt (1 Glas, 1 Scheibe, 1 Tafel usw.). Wenn man die Menge wählt und einer Mahlzeit zuordnet, zeigt die Übersicht auf einen Blick, was man sich da so vorgenommen hat — wenn man möchte, direkt in BEs.

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Brot mit Käse 

Iss was, hat sie gesagt. Wenn der Wert vor dem Schlafengehen unter 140 ist, iss eine Scheibe Brot mit Käse oder Wurst, hat sie gesagt. 1 BE, hat sie gesagt. 

126! #yeah 

Ok, vielleicht sind drei Magnum Mint Täfelchen eine sehr freie Interpretation von Brot mit Käse, aber mindestens 1 BE stimmt und Schokolade sind doch auch langsame Kohlenhydrate, oder? 

Mjam, lecker. Gute Nacht!